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InterRail Newsflash Februar 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

wir alle haben in den letzten Monaten viel Zeit damit verbracht, uns an aussergewöhnliche Umstände anzupassen. Dieser Weg war nicht freiwillig gewählt und hat uns auf recht eindrückliche Weise deutlich gemacht, wie begrenzt unsere Einflussmöglichkeiten sind beziehungsweise wie fragil unsere Existenz ist. Gleichzeitig hat sich in vielen Bereichen gezeigt, wie anpassungsfähig und erfindungsreich wir sind. Womit Platon dann wohl recht hatte als er sagte: Die Notwendigkeit ist die Mutter der Erfindung.

Die Pandemie hat entsprechend viele Prozesse beschleunigt oder teilweise sogar erst in Gang gesetzt. Die Digitalisierung hat einen immensen Schub erhalten. Geschäftsreisen wurden ersetzt durch virtuelle Konferenzen. Wo immer möglich, musste das Arbeiten von zuhause realisiert werden. Der CEO von Microsoft wurde im April vergangenen Jahres in einem Interview mit Analysten mit den Worten zitiert: «Wir haben ein Ausmaß digitaler Transformation von zwei Jahren in zwei Monaten erlebt.»

Uns erwartet also eine neue «Normalität», da eine Rückkehr zu Bedingungen, die vor einem Jahr noch als «normal» galten, bereits heute unmöglich erscheint.

Wie die InterRail Gruppe die vergangenen Monate bewältigt hat und wie die kommenden Monate aussehen werden, haben wir Hans Reinhard, Chairman der InterRail Holding AG, gefragt.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.

Eine Frage der Perspektive

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Hans Reinhard

Wie hat sich das Geschäft der InterRail im letzten Jahr insgesamt entwickelt?
Hans Reinhard:
Auch wenn wir uns alle von Tag zu Tag mehr nach einer Zeit sehnen, in der die Corona-Pandemie hinter uns liegt, so kommen wir doch nicht umhin, das Geschäftsjahr 2020 unter dem Aspekt dieser Pandemie zu betrachten. Sicherlich am meisten Auswirkungen hatte COVID auf die Tradelane China-Europa. Die von der InterRail abgefertigten Ganzzugsverbindungen zwischen China und Europa kamen bereits Anfang des 1. Quartals 2020 fast ganz zum Erliegen, zumal der Pandemieausbruch in China dort zu den ersten Lockdowns führte. Nachdem China die weitere Ausbreitung des Corona-Virus innerhalb von drei Monaten recht gut in den Griff bekam und Anfang des zweiten Quartals bereits wieder die Produktion der Industrie hochfahren konnte, womit grundsätzlich auch wieder Transportleistungen benötigt wurden, hatte COVID nunmehr ganz Europa durch Shut- und Lockdowns lahmgelegt. Entsprechend kamen weiterhin fast keine Ganzzüge zur Abwicklung. Das führte einerseits zu beträchtlichen finanziellen Einbussen bei den an der Tradelane betroffen InterRail Unternehmen in China, Russland, Polen und Deutschland. Gleichzeitig brachte aber auch die plötzliche Umstellung auf zumindest teilweisen home office Betrieb für alle Mitarbeitenden starke Belastungen bis hin zu Stresserscheinungen mit sich.

Umso erfreulicher war, dass wir dann ab Jahresmitte einen enormen Anstieg der Zugabfertigungen verzeichnen durften. Dies war einerseits dem Nachholbedarf in fast allen Industriezweigen, aber auch dem enormen Kapazitätsrückgang anderer Transportmittel wie insbesondere Luftfracht und Seefracht, geschuldet. Diese Entwicklung im dritten und vierten Quartal ermöglichte es uns, die Rückgänge im ersten Halbjahr nicht nur zu kompensieren, sondern im Vergleich zu 2019 sogar noch gesamthaft bessere Zahlen zu schreiben. Negativen Einfluss auf unser Jahresergebnis hatten allerdings leider die grossen Wechselkurs-Einflüsse, grösstenteils bedingt durch einen schwachen USD.

Hervorheben möchte ich die InterRail-Polcont, die in 2020 ihr bestes Ergebnis seit Integration in die InterRail Gruppe schrieb. Grundsätzlich möchte ich aber nicht einzelne Unternehmen in den Mittelpunkt stellen, sondern einfach allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Dank der Unternehmensführung aussprechen: Sie alle haben Grossartiges geleistet und dies in einer Zeit, die alle nicht nur geschäftlich, sondern sicherlich auch privat vor enorme Herausforderungen stellte. Dank ihrem Einsatz kann die InterRail auch im schwierigen Jahr 2020 auf einen positiven Jahresabschluss zurückblicken.

 

Was erwarten Sie von 2021:

Hans Reinhard: Kaffeesatzlesen ist leider nicht meine Stärke. Aber das Jahr wird sicherlich mindestens die ersten sechs Monate weiterhin stark von der Corona-Pandemie beeinträchtigt sein. Nur sind wir inzwischen weit besser vorbereitet und wissen damit umzugehen. Wo wir früher noch vielfach von Sitzung zu Sitzung gereist sind, werden diese heute effektiv durch Videokonferenzen ersetzt. Auch home office hat sich in unserer Gruppe, egal in welchem Land, etabliert und beeinträchtigt die Qualität unserer Dienstleistungen nicht. Wir können also auch einiges aus dieser schwierigen Situation mitnehmen und davon profitieren. Grösstenteils erfreuliche Aussichten gibt es momentan in Bezug auf die China-Europa Verkehre, zumindest bis zur Jahreshälfte sollen die grosse Anzahl an Zugabfahrten beibehalten werden und auch für die zweite Hälfte ist mit einem Status Quo zu rechnen.

 

Die geostrategisch gute Aufstellung unserer Gruppe entlang der Neuen Seidenstrasse mit jeweils eigenen Subunternehmen hilft uns enorm, schnell auf neue Bedürfnisse der Kunden bezüglich neuer Routen oder intermodaler Verkehrsträger zu reagieren. Zu wünschen wäre natürlich mehr Sicherheit durch die weltpolitische Lage, wozu die neue US-Administration sicherlich beitragen wird.

 

Noch ein Wort zu den Subventionen der Bahnverkehre von und nach China:

Hans Reinhard: Die chinesische Politik hat für 2021 die bisherige Subventionspolitik dahingehend geändert, dass anstatt der bisher geltenden 40% Kostensubvention ab 1.1.2021 nur noch 30% vergütet werden. Dies war aber angekündigt und daher wenig überraschend für den Markt. Da aber insbesondere die konkurrierenden Verkehrsträger wie See - und Luftfracht aufgrund der enormen Kapazitätsengpässen mit starken Preissteigerungen am Markt agieren, kann das Manko der reduzierten Subventionen vorerst problemlos durch leicht höhere Raten korrigiert werden. Die chinesische Regierung hat insofern für 2021 eine Planung von gesamthaft 12'000 Ganzzügen auf der Neuen Seidenstrasse vorgesehen, verglichen mit rund 9000 gefahrenen Zügen in 2020. Wir können also durchaus positiv in die Zukunft schauen.

 

Welche Eigenschaften sind aus Ihrer Sicht am wichtigsten, um herausfordernde Zeiten zu meistern?

Hans Reinhard: Natürlich spielt das private Umfeld für die Bewältigung von Krisenzeiten und -situationen eine wichtige Rolle. Ich persönlich habe in meiner Laufbahn erfahren, dass Ruhe und Gelassenheit, aber insbesondere auch viel Verständnis für seine Mitmenschen wichtige Instrumente sind. Als enorm wertvoll betrachte ich es, die eigene Situation immer auch in Relation zu setzen: es gibt so viele Personen, denen es weit schlechter geht als uns selbst. Ein solcher Blick führt für mich automatisch zu mehr Dankbarkeit und Zufriedenheit.

 

Mit welchem Motto motivieren Sie sich persönlich?

Hans Reinhard: Mir bewusst zu sein, dass wir eigentlich zu den Privilegierten auf dieser Welt gehören, gesund sein zu dürfen und gute Freunde um mich zu wissen.

Was vermissen Sie aktuell am meisten?
Hans Reinhard: Da sich die Schweiz momentan im Lockdown befindet und die persönlichen Kontakte auf ein Minimum beschränkt wurden, fehlen mir natürlich die sozialen Kontakte, aber auch die spontanen Begegnungen. Dafür finde ich jetzt wieder Zeit für ein gutes Buch oder für eine schöne Wanderung. Es ist vielfach einfach eine Frage der Perspektive.

InterRail mit Niederlassung in Nur-Sultan

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(© AdobeStock)

Per Ende Januar 2021 hat die kasachische InterRail Tochter das bisherige Verkaufsbüro in Nur-Sultan in eine operative Niederlassung umgewandelt. Das Büro wird geleitet von Bekzat Madiyarova, die bereits seit Ende 2018 als Sales-Managerin für InterRail Kasachstan in Nur-Sultan tätig ist.

Das Unternehmen bietet containerisierte wie auch konventionelle Bahnfrachtdienstleistungen im Im- und Export sowie Transit an und hat einen direkten Kooperationsvertrag mit der kasachischen Eisenbahn (KTZ). Ergänzt werden die Bahndienstleistungen durch multimodale Lösungen und die Bereitstellung entsprechenden Rollmaterials. Dazu zählen auch Spezialwaggons wie z.B. Hopper-Waggons und Open-top Waggons für Schüttgut.

Für die InterRail Gruppe ist Kasachstan seit jeher ein Schlüsselmarkt aufgrund seiner Bedeutung als Brücke zwischen Europa und Asien. Der Ausbau des dortigen Netzwerks ist daher eine logische Konsequenz der geographischen Strategie der InterRail Gruppe.

Nachgefragt bei Bekzat Madiyarova

Leiterin der neuen InterRail Nur-Sultan-Niederlassung in Kasachstan

Wann haben Sie angefangen, für InterRail zu arbeiten?
Ich habe im November 2018 bei InterRail angefangen.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Mein Motto ist: Tu, was Du liebst. Liebe, was du tust.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Job bei InterRail?
Ich mag es, Teil des InterRail-Teams zu sein. Ich habe das Gefühl, dass ich mich hier ausdrücken und Ziele erreichen kann und eine Perspektive für die zukünftige Entwicklung habe.

Wenn Sie nicht in der Transportbranche arbeiten würden….
Ich denke, ich hätte mich in der Werbebranche wiedergefunden.

Was sind Ihre konkreten Ziele für Ihren neuen Job?
Meine Ziele sind: die Entwicklung unseres neuen Büros in Nur-Sultan zu unterstützen, nach potenziellen neuen Kunden und Projekten zu suchen.

Welchen konkreten Einfluss hat die Pandemie auf Ihr Geschäft gehabt?
Die Pandemie hat das gesamte Geschäft in Kasachstan beeinflusst, besonders aber den Logistiksektor. Es war eine schwierige Zeit während des Lockdowns, viele Leute haben ihre Geschäfte geschlossen oder aufgegeben. Jetzt hoffen wir auf eine Erholung der Wirtschaft in Kasachstan, aber wir arbeiten auf jeden Fall weiter und suchen nach Perspektiven – unter allen Bedingungen.

 

 

 

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Bekzat Madiyarova

Neues von den Eisenbahnen

Türkei – China in 12-16 Tagen

Anfang Dezember 2020 schickte die Türkei den ersten Containerzug auf der Baku-Tbilisi-Kars Bahnstrecke nach China. Die 826 Kilometer lange Linie, die im Oktober 2017 nach zehn Jahren Bauzeit eingeweiht wurde, verbindet das aserbaidschanische mit dem türkischen Eisenbahnnetz und ermöglicht eine einfachere und schnellere Bahnverbindung zwischen China, Zentralasien und Europa. Die Züge gehen von der Türkei über Georgien nach Aserbaidschan, wo sie das Kaspische Meer überqueren und dann weiter durch Kasachstan zur Endbestimmung in China – eine Strecke von rund 8.700 Kilometern. In der Gegenrichtung, d.h. von China nach Europa gibt es bereits seit November 2019 Containerzüge über die Baku-Tbilisi-Kars Strecke. Die Bahnlinie ist zwischenzeitlich ein wichtiger Teil der südlichen Route der neuen Seidenstrasse zwischen China und Europa.

Marktteilnehmer wollen Kräfte bündeln

Die Zunahme des Güterverkehrsvolumens auf der Schiene entlang der Neuen Seidenstraße erfordert dringend Antworten auf infrastrukturelle Herausforderungen sowie eine Erhöhung der Kapazitäten für den grenzüberschreitenden Verkehr. Bahnbetreiber, Häfen und andere Dienstleister bemühen sich um eine engere Zusammenarbeit, um einen reibungslosen Warentransit zu gewährleisten.

Auf Initiative des kasachisch-russisch-belarussischen „United Transport and Logistics Company - Eurasian Rail Alliance“ (UTLC ERA) veranstalteten Top-Manager chinesischer, russischer und europäischer Unternehmen am 26. Januar 2021 eine digitale Konferenz im Namen des sogenannten «One Million“ Club», an der oben genannte Themen eingehend erörtert wurden.

Ehrgeiziges Ziel des One Million Club, der im Jahr 2019 ins Leben gerufen wurde, ist es das Volumen auf der eurasischen Bahnstrecke bis 2025 auf rund eine Million TEU zu steigern.

Viele Teilnehmer waren der Ansicht, dass der Schienenverkehr zwischen Europa und China, der trotz seines Wachstums immer noch nur etwa 3 Prozent der gesamten transportierten Güter ausmacht, den Güterverkehr auf dem Seeweg zunehmend ergänzen wird. Insgesamt werden jährlich rund 23 Millionen TEU Container zwischen Europa und Asien transportiert.

Laut UTLC ERA sind zwischenzeitlich 21 Länder und 92 Städte an das eurasische Containertransportnetz angeschlossen und es kommen immer neue Strecken hinzu, wie beispielsweise seit 2019 die neuen Routen über die Häfen Mukran und Rostock nach Kaliningrad.

Alexey Grom, CEO von UTLC ERA, fasste die Diskussion wie folgt zusammen: „Unser One Million Club wird immer beliebter. Die Zahl der an einer Zusammenarbeit interessierten Unternehmen wächst stetig. Dies zeigt sich auch im großen Interesse an dieser digitalen Konferenz. Ich bin optimistisch, dass wir gemeinsam 2021 eine Steigerung des Volumens um 20 Prozent erreichen und damit weitere Fortschritte in Richtung unseres mittelfristigen Ziels von rund einer Million TEU bis 2025 erzielen können. Es ist daher unsere vorrangige Verantwortung, uns gegenseitig zu motivieren, neue Rekorde zu erzielen, Engpässe zu identifizieren und gemeinsam damit umzugehen. “

Die vollständige Medienmitteilung finden Sie hier: https://utlc.com/en/news/rail-operators-along-the-new-silk-road-combine-forces/